Braucht TIP TIG eine neue Schweißverfahrensprüfung?

Umstieg auf TIP TIG nach ASME Section IX: Die WPS wird ergänzt, nicht neu qualifiziert — und ein qualifizierter WIG-Schweißer ist bereits qualifiziert.

Aktualisiert 24. Juli 2026 2 Min. Lesezeit

Eine der ersten Fragen zu TIP TIG ist eine verfahrenstechnische: Bedeutet die Einführung, jede Schweißanweisung und jeden Schweißer neu zu qualifizieren? Für regelwerksgebundene Betriebe ist das eine echte Kostenfrage. Nach ASME Section IX lautet die kurze Antwort: nein — die WPS wird ergänzt, aber nicht neu qualifiziert. Hier genau, warum.

Die Verfahrensanweisung (WPS): ergänzen, nicht neu qualifizieren

Wenn man eine WPS qualifiziert, weist man die mechanischen Eigenschaften der Naht nach — und der Naht ist es gleichgültig, ob der Zusatzwerkstoff von Hand oder maschinell zugeführt wurde. Die Eigenschaften bleiben unabhängig von der Art der Drahtzufuhr.

Section IX bildet das ab. Table QW-256 führt QW-410.25 — die Variable für die Art des Schweißens (manuell, teilmechanisch, mechanisch, automatisch) — als unwesentliche Variable für das WIG (GTAW). „Unwesentlich” heißt nicht, dass man sie ignorieren darf: Sie muss in der WPS behandelt, aber nicht qualifiziert werden.

Um TIP TIG einzusetzen, ergänzt man die WPS also um das teilmechanische Schweißen. Und weil teilmechanisches Schweißen einen Drahtvorschub nutzt, muss die WPS außerdem Drahtdurchmesser und Drahtvorschubgeschwindigkeit angeben.

Der Schweißer: bereits qualifiziert

Ein für manuelles WIG qualifizierter Schweißer ist auch für teilmechanisches WIG qualifiziert. Table QW-356 legt die Qualifizierungsvariablen für WIG-Schweißer fest, und ihr Titel lautet selbst „Essential Variables for Manual and Semi-automatic Gas Tungsten-Arc Welding (GTAW)” — ohne eine Variable zur Art des Schweißens. Es gibt nichts neu zu qualifizieren.

Der eine Vorbehalt: Schulung

TIP TIG zu fahren ist nicht dasselbe wie Draht von Hand zuzuführen — es ist also ein Können, das geübt werden will, keine Formsache. Schweißer sollten so lange mit der Anlage arbeiten, bis sie zuverlässig Nähte mit vollem Wurzeleinbrand und guter Lagenanbindung erzeugen. Eine Requalifizierung ist nicht nötig — aber ein Probestück mit einigen Biegeproben zur Prüfung des Könnens wird vor dem Produktionseinsatz empfohlen.

Das Fazit

Beim Umstieg auf TIP TIG:

  • Keine WPS-Requalifizierung — aber die WPS muss um das teilmechanische Schweißen ergänzt werden und den richtigen Drahtdurchmesser sowie die Drahtvorschubgeschwindigkeit angeben.
  • Keine Schweißer-Requalifizierung — aber der Schweißer sollte zuvor an der Anlage geschult werden.

Das hält die Einstiegshürde niedrig: Die Verfahrensumstellung ist real, aber der Papieraufwand ist eine WPS-Ergänzung, keine neue Qualifizierungskampagne.

Wie immer gilt: die Details gegen die aktuelle Regelwerksausgabe und die eigene Prüfstelle abgleichen — die obigen Grundsätze folgen ASME Section IX, doch euer Projekt kann zusätzliche Kunden- oder behördliche Anforderungen mit sich bringen.

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