WIG oder TIG — was ist der Unterschied?
Keiner. WIG, TIG, GTAW und 141 bezeichnen dasselbe Schweißverfahren — nur in vier verschiedenen Sprachen und Normen. Welcher Name wann gilt.
Die kurze Antwort: es gibt keinen Unterschied. WIG und TIG sind zwei Namen für dasselbe Schweißverfahren. Wer nach dem technischen Unterschied sucht, sucht nach etwas, das nicht existiert.
Die längere Antwort erklärt, woher die vier gängigen Bezeichnungen kommen — und welche in welchem Zusammenhang die richtige ist.
Vier Namen, ein Verfahren
| Bezeichnung | Steht für | Verwendet in |
|---|---|---|
| WIG | Wolfram-Inertgas-Schweißen | deutscher Sprachraum |
| TIG | Tungsten Inert Gas | englischer Sprachraum, international |
| GTAW | Gas Tungsten Arc Welding | AWS und ASME, also US-Normen |
| 141 | Ordnungsnummer nach ISO 4063 | europäische Normen, WPS-Dokumente |
Der Unterschied zwischen WIG und TIG ist ausschließlich sprachlich: Das chemische Element mit der Ordnungszahl 74 heißt auf Deutsch Wolfram, auf Englisch tungsten. Beide Abkürzungen beschreiben denselben Aufbau — eine nicht abschmelzende Elektrode aus diesem Element, ein Lichtbogen darunter, ein inertes Schutzgas darum.
Warum das in der Praxis trotzdem auffällt
Im deutschen Sprachraum begegnen Ihnen beide Formen nebeneinander, und das hat einen nachvollziehbaren Grund: WIG-Schweißen in der Werkstatt und in Normen, TIG-Schweißen im Handel und in Suchmaschinen. Gerätehersteller schreiben auf dasselbe Produkt manchmal „WIG-Schweißgerät“ und manchmal „TIG welder“, je nachdem, für welchen Markt der Karton bedruckt wurde.
Für Sie heißt das praktisch:
- In einer WPS oder einem Prüfbericht gehört die Normbezeichnung hin — 141 nach ISO 4063 im europäischen Raum, GTAW nach ASME Section IX im amerikanischen.
- Im deutschen Fachgespräch ist WIG die richtige und übliche Form.
- Bei internationaler Korrespondenz oder bei der Gerätesuche stoßen Sie auf TIG, und das ist kein Fehler.
Keine der vier Bezeichnungen ist falsch. Sie gehören nur in unterschiedliche Zusammenhänge.
Wo es echte Unterschiede gibt
Interessant wird es eine Ebene tiefer. Innerhalb des Verfahrens gibt es Varianten, und die unterscheiden sich tatsächlich — deutlich sogar:
- Kaltdraht. Der Zusatzwerkstoff kommt kalt ins Schmelzbad und kühlt es ab. Das erzwingt eine niedrige Schweißgeschwindigkeit und begrenzt die Abschmelzleistung.
- Heißdraht. Eine zweite Quelle erwärmt den Draht vor, sodass er nahe dem Schmelzpunkt ankommt. Die Abschmelzleistung steigt um ein Vielfaches, ohne dass der Wärmeeintrag mitsteigt.
- Impuls. Der Strom pulsiert zwischen zwei Niveaus und hält so das Bad kleiner und kontrollierbarer, vor allem bei dünnen Wanddicken.
- Keyhole. Ein stark konzentrierter Lichtbogen treibt ein Loch durch die Fuge und schweißt die volle Dicke in einer Lage. Mehr dazu: Was ist Keyhole-Schweißen?
Wer also wissen will, was ein bestimmtes Angebot leistet, fragt nicht nach WIG oder TIG — sondern nach der Variante. Dort liegen die Unterschiede in Geschwindigkeit, Wärmeeintrag und Nahtqualität, die am Ende die Kalkulation bestimmen.
Wie groß dieser Sprung sein kann, zeigt der direkte Vergleich zwischen Kaltdraht- und Heißdraht-WIG.
Kurz gefasst
WIG, TIG, GTAW und 141 sind vier Namen für dasselbe Verfahren — deutsch, englisch, US-Norm und ISO-Ordnungsnummer. Der Unterschied liegt in der Sprache, nicht in der Technik. Die Unterschiede, auf die es ankommt, stecken in den Verfahrensvarianten: kalt oder heiß zugeführter Draht, Impuls, Keyhole.