Technologie

Das TIP TIG
Schweißverfahren

Dynamischer Drahtvorschub

TIP TIG ist ein Heißdraht-WIG-Verfahren — manuell, automatisiert oder orbital einsetzbar. Es schweißt alle Metalle, die auch mit normalem WIG gehen.

In Aktion sehen

So funktioniert TIP TIG

Der dynamische Drahtvorschub in Aktion. Der oszillierende Draht rührt das Schmelzbad — porenfrei und röntgensicher.

Funktionsweise

Heißdraht-WIG —
neu erfunden

Eine separate, niedrige Spannung erwärmt den Draht bis nahe an die Schmelztemperatur. So fließt er sauber ins Schmelzbad — mit deutlich höherer Abschmelzung.

Bessere Benetzung Der warme Draht benetzt das Schmelzbad besser, statt es abzukühlen — anders als beim Kaltdraht-Verfahren.
Kein Sekundärlichtbogen Die niedrige Spannung verhindert einen zweiten Lichtbogen zwischen Draht und Werkstück. Die Wolfram-Elektrode hält den Hauptlichtbogen. Eine separate Stromquelle heizt den Draht vor.
Einfach erlernbar Manuelle Bedienung in allen Positionen. Kurze Lernkurve — sofort wirtschaftlich einsetzbar.
8.8 4.0 lbs/hr kg/hr
Maximale Abschmelzleistung
vs. 0,7 lbs/hr konventionelles WIG vs. 0,3 kg/h konventionelles WIG
TIG
TIP TIG
Drahtdynamik

Vier-Rollen-Antrieb mit
Oszillationssystem

Ein Vier-Rollen-Antrieb fördert und oszilliert den Draht durchgehend. Heißdraht plus mechanisches Rühren des Bades ergibt maximale Schweißenergie bei wenig Wärmeeintrag.

Schmelzbadbewegung

Die Vibration rührt das Schmelzbad auf und bricht die Oberflächen-Spannung. Das verbessert Anbindung und Durchmischung.

Spannungsabbau

Die Draht-Oszillation baut Eigenspannungen direkt beim Schweißen ab. Die Naht wird zuverlässiger.

Reduzierte Porosität

Das Rühren des Bades reduziert Poren — besonders bei Edelstahl und Duplex.

Höhere Abschmelzleistung

Das flüssigere Bad nimmt mehr Draht auf. Höherer Schweißstrom ist möglich.

Geringerer Wärmeeintrag

Weniger Wärme bedeutet weniger Verzug. Die Korrosions-Beständigkeit bleibt erhalten.

Allpositions-Fähigkeit

Schweißen in allen Positionen mit gleichbleibender Qualität und einfacher Technik.

Leistung

Vergleich der
Abschmelzleistung

Getestet an einem 2-Zoll-Rohr Schedule 80S, Edelstahl (DN50, 60,3 mm AD, 5,54 mm Wand), 5G-Position. TIP TIG schafft über 12x so viel Abschmelzung wie normales WIG.

Alle Werte in lbs/hr unter identischen Testbedingungen gemessen. Alle Werte in kg/h unter identischen Testbedingungen gemessen.
TIG
0.7 0.3
TIG Cold Wire
2.2 1
TIG Hot Wire
3.3 1.5
TIP TIG
8.8 4
lbs/hr kg/hr
Verfahrensvergleich

TIP TIG vs. andere
Schweißverfahren

15 Merkmale im Vergleich. TIP TIG übertrifft herkömmliche Verfahren in jeder Kategorie.

Merkmal TIP TIGMIGTIGFCAWStick
Abschmelzleistung
Schweißgeschwindigkeit
Wärmeeintrag
Schweißverzug
Nötige Qualifikation
Schmelzvermögen
Kosten Verbrauchsmaterial
Fusionsqualität
Poren / Einschlüsse
Start-Stopp-Anforderungen
Schweißrauch
Spritzer
Allpositions-Fähigkeit
Fugen-Vorbereitung
Gesamt-Bewertung

MIG Herausforderungen

  • Risiko schlechter Anbindung
  • Schlechte Naht-Anbindung
  • Poren-Probleme
  • Eingeschränkt in allen Positionen
  • Drahtüberstand-Probleme

TIG Herausforderungen

  • Niedrigste Abschmelzleistung
  • Niedrigste Schweißgeschwindigkeiten
  • Hoher Wärmeeintrag
  • Erheblicher Verzug
  • Höchster Schulungsbedarf

Stick Herausforderungen

  • Niedrige Abschmelzleistung
  • Anbindungsprobleme
  • Risiko von Schlacke-Einschlüssen
  • Hohes Poren-Risiko
  • Start-Stopp-Defekte

FCAW Herausforderungen

  • Risiko von Schlacke-Einschlüssen
  • Anbindungsprobleme
  • Hohes Poren-Risiko
  • Spritzer-Probleme
  • Rauch-Emission
23.4 0.92
MIG
19.3 0.76
TIG
11.9 0.47
TIP TIG
kJ/in kJ/mm
Wärmeeintrag

Geringstmöglicher
Wärmeeintrag

Mit nur 11,9 kJ/in liefert TIP TIG annähernd den halben Wärmeeintrag von MIG-Schweißen Mit nur 0,47 kJ/mm liefert TIP TIG annähernd den halben Wärmeeintrag von MIG-Schweißen und deutlich weniger als normales WIG. Weniger Verzug, bessere Material-Eigenschaften, höhere Nahtqualität.

Berechnet nach ASME IX 2017
H =
V × A × 60 S × 1000
H = Heat Input (kJ/inkJ/mm) V = Voltage A = Amperage S = Travel Speed (in/minmm/min)
Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu TIP TIG

Was ist TIP TIG?
TIP TIG ist ein Heißdraht-WIG-Verfahren. Eine separate Niederspannungs-Stromquelle heizt den Zusatzdraht kurz vor dem Schmelzpunkt vor, während ein 4-Rollen-Antrieb den Draht mechanisch oszilliert. Ergebnis: Spitzen-Abschmelzleistung von rund 4 kg/h — etwa das 12-Fache des klassischen Kaltdraht-WIG — bei gleichzeitig geringstem Wärmeeintrag aller drahtgeförderten Schweißverfahren. Läuft mit 100 % Argon, funktioniert an allen schweißbaren Werkstoffen und in allen Positionen.
Worin unterscheidet sich TIP TIG vom klassischen (Kaltdraht-) WIG?
Beim klassischen WIG kühlt der kalte Zusatzdraht das Schweißbad — das erzwingt niedrige Vorschubgeschwindigkeit. Bei TIP TIG kommt der Draht bereits nahe der Schmelztemperatur an und verbessert die Benetzung, statt sie zu kühlen. Die Spitzen-Abschmelzleistung steigt von rund 0,3 kg/h auf etwa 4 kg/h; die Schweißgeschwindigkeit erhöht sich je nach Werkstoff um 100–300 %. Es entsteht kein Sekundärlichtbogen — die Wolframelektrode kontrolliert weiterhin den Primärlichtbogen.
Wie schlägt sich TIP TIG gegen MIG/MAG?
MIG liefert hohe Abschmelzraten, aber mit hohem Wärmeeintrag und realen Risiken für Bindefehler, Spritzer, Poren und Verzug — besonders bei zähen Legierungen wie Duplex oder Superduplex. TIP TIG erreicht typische MIG-Abschmelzraten bei WIG-Fusionsqualität: keine Spritzer, keine Kaltbindungen, kein CO₂-Schutzgas. Der Verzug bleibt gering; Nähte sind bei Edelstahl, Duplex, Inconel, Titan und Cladding-Verbindungen bereits in der ersten Lage röntgentauglich.
Welche Werkstoffe und Legierungen kann TIP TIG schweißen?
Alle Werkstoffe, die auch mit WIG geschweißt werden können: Baustahl, niedriglegierte Stähle, Edelstahl (inklusive Duplex und Superduplex), Nickellegierungen (Inconel, Hastelloy, Monel), Titan, Invar 36, Aluminium, Kupfer und spezielle Cladding-Auflagen. Im Einsatz in Kerntechnik (dünnwandiger Edelstahl), Luft- und Raumfahrt (Titan, Invar), LNG (9 % Ni-Stahl), Wasserstoff (Austenit und Duplex), Petrochemie, orbitalem Rohrleitungsbau und Cladding-Auftragschweißen.
Warum ist niedriger Wärmeeintrag wichtig?
Der Wärmeeintrag treibt Verzug, Eigenspannungen und — bei korrosionsbeständigen Legierungen — Sensibilisierung und Chemieverlust. Weniger Wärme bedeutet engere Maßtoleranzen (weniger Nacharbeit), erhaltene Korrosionsbeständigkeit bei Duplex und Edelstahl, schmalere Wärmeeinflusszonen und ein geringeres Risiko von Wasserstoffversprödung bei hochfesten Stählen. TIP TIG liefert den niedrigsten Wärmeeintrag aller drahtgeförderten Schweißprozesse — ein entscheidender Vorteil bei normgebundener Fertigung.
Ist TIP TIG schwer zu erlernen? Braucht es zertifizierte WIG-Schweißer?
Nein. Der Draht wird mechanisch zugeführt — der Schweißer steuert Brennerwinkel und Vorschub, nicht die manuelle Drahtzugabe. Erfahrene WIG-Schweißer erlernen TIP TIG innerhalb weniger Stunden. Auch Schweißer ohne tiefe WIG-Erfahrung produzieren nach Basisschulung Nähte in Röntgenqualität. Das entschärft den Fachkräftemangel, der die manuelle WIG-Kapazität in Pipeline-, LNG- und Cladding-Sektor limitiert.
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